Galaxien im Sternbild Virgo (Jungfrau)

Galaxien im Virgo-Haufen in unvorstellbarer Entfernung von 50 – 80 Mio. Lichtjahren
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Einige der Galaxien im Virgo-Haufen sind auf dem Bild zu sehen. Sie wirken jedoch relativ klein, da sie sich in einer Entfernung von etwa 50 bis 80 Millionen Lichtjahren befinden. Der Virgo-Haufen ist der uns am nächsten gelegene große Galaxienhaufen. Er enthält über 1.000 einzelne Galaxien, darunter viele Spiral- und elliptische Galaxien. Besonders bekannt sind die Galaxien Messier 87 und Messier 86. Aufgrund der großen Entfernung erscheinen selbst diese riesigen Systeme nur als kleine Lichtflecke. Dennoch sind sie wichtige Forschungsobjekte für die Astronomie. Ihre Bewegung und Verteilung liefern Hinweise auf die Verteilung der Dunklen Materie. Der Virgo-Haufen beeinflusst auch unsere Lokale Gruppe durch seine gravitative Wirkung. Er ist ein zentrales Element der großräumigen Struktur des Universums.

Galaxien im Virgo-Haufen

Der Virgo-Haufen ist eine der bedeutendsten Ansammlungen von Galaxien in unserer kosmischen Nachbarschaft und liegt etwa 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Er ist der nächstgelegene große Galaxienhaufen zur Milchstraße und spielt eine zentrale Rolle im Verständnis der Struktur des Universums. Mit mehr als zweitausend Galaxien in unterschiedlichster Form und Größe zeigt er eine enorme Vielfalt, die von gigantischen elliptischen Systemen bis hin zu filigranen Spiralgalaxien reicht. Besonders im Zentrum des Haufens finden sich massereiche elliptische Galaxien, die das Gravitationsgleichgewicht dominieren und kleinere Nachbarn beeinflussen. Eine der bekanntesten dieser Galaxien ist M87, eine riesige elliptische Galaxie mit einem supermassereichen Schwarzen Loch im Zentrum, das durch das Event Horizon Telescope eindrucksvoll sichtbar gemacht wurde. M87 ist nicht nur eines der hellsten Mitglieder des Virgo-Haufens, sondern auch ein Paradebeispiel für die enorme Energie, die aktive Galaxienkerne freisetzen können. In unmittelbarer Nähe liegt M86, eine weitere elliptische Galaxie, die im sichtbaren Licht markant hervortritt und durch ihre Wechselwirkungen mit anderen Galaxien auffällt. Ebenso bemerkenswert ist M84, die wie M86 eine zentrale Stellung im Haufen einnimmt und durch ihre Struktur und Sternpopulation gut erforscht ist. Abseits dieser Giganten findet man mit M49 die hellste Galaxie des gesamten Virgo-Haufens, die durch ihre Größe und Helligkeit zu den herausragenden Mitgliedern zählt. M49 beherbergt ebenfalls ein massereiches Schwarzes Loch und zeigt Anzeichen intensiver Wechselwirkungen mit der Umgebung. Auch M60, eine weitere elliptische Galaxie, sticht durch ihre Dimensionen hervor und ist bekannt für ihr extrem massereiches Schwarzes Loch, das eines der größten bisher entdeckten ist. In ihrer Nähe befindet sich M59, die etwas kleiner, aber dennoch eine eindrucksvolle Vertreterin der elliptischen Galaxien ist. Der Virgo-Haufen beschränkt sich jedoch nicht auf elliptische Formen, sondern enthält auch eine Reihe spektakulärer Spiralgalaxien. M58 gehört zu den schönsten Beispielen und zeigt deutliche Strukturen, die von Spiralarmen dominiert werden. Ebenso bekannt ist M90, eine Spiralgalaxie, die im sichtbaren Licht großflächig wirkt und deren Sterne und Gas durch die Gravitation des Haufens beeinflusst werden. M99 präsentiert sich mit markanten Spiralarmen, die Astrofotografen immer wieder faszinieren. Besonders eindrucksvoll ist auch M100, eine nahezu perfekte Spiralgalaxie, die in vielen Beobachtungsprogrammen untersucht wird. Diese Mischung aus elliptischen und Spiralgalaxien macht den Virgo-Haufen zu einem kosmischen Labor, in dem sich die Entwicklung unterschiedlicher Galaxientypen studieren lässt. Astronomen nutzen den Haufen, um zu verstehen, wie Gravitation, Gasbewegungen und Kollisionen die Strukturen der Galaxien prägen. Viele der Galaxien im Virgo-Haufen zeigen Spuren von Wechselwirkungen, etwa verzogene Arme, Brücken aus Sternen oder Gasschweife, die durch gravitative Einflüsse entstehen. Durch diese Prozesse entstehen neue Sternentstehungsregionen oder aber es wird Gas aus den Galaxien herausgerissen, was deren Entwicklung beeinflusst. Der Virgo-Haufen ist zudem Teil des sogenannten Virgo-Superhaufens, zu dem auch unsere Milchstraße gehört. Damit ist er nicht nur ein lokales Forschungsobjekt, sondern auch ein Schlüssel zum Verständnis der großräumigen Struktur des Kosmos. Besonders für Amateurastronomen ist der Haufen spannend, da viele seiner Galaxien im Messier-Katalog verzeichnet sind und mit Teleskopen sichtbar werden. Bei klarem Himmel lassen sich zahlreiche Mitglieder beobachten, was den Virgo-Haufen zu einem bevorzugten Ziel in den Frühlingsmonaten macht. Seine Lage im Sternbild Jungfrau erleichtert die Orientierung und eröffnet faszinierende Blicke auf ferne Welten. Auch wissenschaftlich ist der Haufen bedeutsam, da er durch seine Nähe eine hohe Detailgenauigkeit bei Beobachtungen erlaubt. Mit modernen Instrumenten lassen sich nicht nur die Sterne, sondern auch die Bewegungen von Gas und Dunkler Materie innerhalb der Galaxien untersuchen. Dunkle Materie spielt im Virgo-Haufen eine entscheidende Rolle, da ihre unsichtbare Masse die Bindung des Haufens erst ermöglicht. Ohne diesen unsichtbaren Anteil würden die Galaxien durch ihre Geschwindigkeiten längst auseinanderfliegen. Der Virgo-Haufen zeigt also, dass die sichtbare Materie nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Masse darstellt. Gleichzeitig ist der Haufen ein kosmisches Beispiel für die Hierarchie der Strukturen, in denen Galaxien nicht isoliert existieren, sondern in großen Verbänden organisiert sind. Diese kosmischen Zusammenhänge verdeutlichen, dass Galaxienhaufen wie Virgo Bausteine der größten Strukturen im Universum darstellen. Seine Erforschung eröffnet nicht nur einen Blick in die Vielfalt der Galaxienformen, sondern auch in die grundlegenden Mechanismen des Universums. Der Virgo-Haufen bleibt daher ein zentrales Forschungsfeld für Astronomen weltweit, die mit jeder neuen Beobachtung tiefere Einblicke in die Geschichte und Zukunft der Galaxien gewinnen.

Galaxien auf dem Foto (Entfernung ca. 50 – 80 Mio. Lichtjahre)

NGC 4294

NGC 4294 ist eine Spiralgalaxie im Sternbild Jungfrau (Virgo) und gehört zum Virgo-Galaxienhaufen, der rund 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt liegt. Sie wurde am 8. April 1784 von dem deutsch-britischen Astronomen Wilhelm Herschel entdeckt.

Die Galaxie ist eine balkenlose Spiralgalaxie vom Typ Scd und besitzt relativ lockere Spiralarme, die sich stark asymmetrisch darstellen. Auffällig ist, dass ihre Struktur gestört wirkt, was auf gravitative Wechselwirkungen mit Nachbargalaxien hindeutet. Besonders in Betracht kommt dabei NGC 4299, die sich in unmittelbarer Nähe befindet und mit NGC 4294 ein wechselwirkendes Paar bildet.

Durch diese gravitativen Einflüsse zeigt NGC 4294 Anzeichen von Gezeitenstörungen, darunter verbogene Spiralarme und unregelmäßige Sternentstehungsgebiete. Beobachtungen im Radiobereich haben ergeben, dass das Gas in der Galaxie nicht gleichmäßig verteilt ist, was auf eine Wechselwirkung oder gar Kollision hindeutet.

Die scheinbare Helligkeit der Galaxie beträgt etwa 12,2 mag, und ihre Winkelausdehnung am Himmel liegt bei ungefähr 3,2′ × 1,1′. Damit ist sie in mittelgroßen Amateur-Teleskopen als länglicher Lichtfleck erkennbar.

NGC 4294 ist ein gutes Beispiel dafür, wie Galaxienhaufen die Entwicklung ihrer Mitglieder prägen. In der dichten Umgebung des Virgo-Haufens kommt es häufig zu Wechselwirkungen, die die Struktur der Galaxien verändern, Gas entreißen und die Sternentstehung beeinflussen.

NGC 4299

NGC 4299 ist eine irreguläre Zwerggalaxie im Sternbild Jungfrau (Virgo), die ebenfalls Teil des Virgo-Galaxienhaufens ist. Sie liegt in einer Entfernung von etwa 55 Millionen Lichtjahren von der Erde und ist eine Nachbargalaxie von NGC 4294, mit der sie ein interagierendes Paar bildet.

Die Galaxie wurde am 14. Januar 1787 von Wilhelm Herschel entdeckt. Mit einer scheinbaren Helligkeit von etwa 12,5 mag und einer Winkelausdehnung von 2,5′ × 2,0′ ist sie deutlich kleiner und lichtschwächer als ihre Partnergalaxie. In Amateur-Teleskopen erscheint sie als diffuser, unregelmäßiger Lichtfleck.

Als irreguläre Galaxie besitzt NGC 4299 keine klar ausgeprägten Spiralarme oder Symmetrie, sondern zeigt knotenartige Sternentstehungsgebiete, die auf intensive Starburst-Aktivität hindeuten. Die Wechselwirkung mit NGC 4294 gilt als Hauptursache für diese erhöhte Sternentstehungsrate.

Beobachtungen im Hα-Licht und im Radiobereich haben gezeigt, dass die Galaxie reich an interstellarem Gas ist, das durch die gravitative Störung teilweise aus seiner ursprünglichen Verteilung verschoben wurde. Es finden sich auch Spuren von Gezeitenströmen, die die beiden Galaxien miteinander verbinden könnten.

Insgesamt ist NGC 4299 ein klassisches Beispiel für eine kleine Galaxie, deren Entwicklung stark von der Umgebung und von Interaktionen beeinflusst wird. Solche Galaxien liefern Astronomen wertvolle Hinweise darauf, wie Galaxienkollisionen und Wechselwirkungen die Struktur und Sternentstehung prägen.

NGC 4313

NGC 4313 ist eine Spiralgalaxie vom Typ SA(rs)b im Sternbild Jungfrau (Virgo). Sie gehört wie viele andere Galaxien in dieser Region zum Virgo-Galaxienhaufen, dem nächstgelegenen großen Galaxienhaufen zur Milchstraße.

Die Galaxie wurde am 17. März 1787 von Wilhelm Herschel entdeckt. Sie befindet sich in einer Entfernung von ungefähr 52 Millionen Lichtjahren und hat eine scheinbare Helligkeit von etwa 12,1 mag. Ihre Winkelausdehnung beträgt ungefähr 4,5′ × 1,0′, was auf eine stark kantenstehende Orientierung (edge-on) schließen lässt.

Besonders auffällig ist, dass NGC 4313 in Teleskopen als schmale, längliche Galaxie erscheint. Da wir sie von der Seite sehen, sind Details wie Spiralarme nur schwer auszumachen. Jedoch zeigen Aufnahmen großer Teleskope, dass sie eine relativ kompakte, helle Zentralregion und ausgedehnte Sternenscheiben besitzt.

Wie viele Mitglieder des Virgo-Haufens zeigt auch NGC 4313 Einflüsse durch die Umgebung, beispielsweise Wechselwirkungen mit dem heißen intrahaufischen Gas, das ihre interstellare Materie teilweise herauslösen kann. Solche Prozesse werden als Ram-Pressure-Stripping bezeichnet und beeinflussen die Sternentstehung innerhalb der Galaxie.

NGC 4313 ist also ein typisches Beispiel für eine mittelgroße Spiralgalaxie, deren heutiges Aussehen stark durch ihre Position im Virgo-Haufen geprägt ist.

NGC 4330

NGC 4330 ist eine Spiralgalaxie vom Typ Sc im Sternbild Jungfrau (Virgo), die ebenfalls Mitglied des Virgo-Galaxienhaufens ist. Sie wurde am 13. April 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Die Galaxie liegt in einer Entfernung von etwa 55 Millionen Lichtjahren und weist eine scheinbare Helligkeit von rund 12,9 mag auf. Ihre Winkelausdehnung beträgt etwa 4,8′ × 0,8′, was auf eine kantenstehende Lage (edge-on) hinweist.

Besonders interessant ist NGC 4330, weil sie deutliche Anzeichen von Wechselwirkungen mit der Umgebung im Virgo-Haufen zeigt. Ihre Gasscheibe ist durch den Prozess des sogenannten Ram-Pressure-Stripping sichtbar „verbogen“: Während die Sterne weitgehend unbeeinflusst bleiben, wird das Gas der Galaxie durch den Widerstand des heißen intrahaufischen Mediums herausgerissen. Dadurch ist auf hochauflösenden Aufnahmen ein Schweif aus Gas und Staub zu sehen, der sich von der Hauptscheibe der Galaxie entfernt.

Diese Wechselwirkungen wirken sich auf die Sternentstehung aus. In der Vorderseite der Galaxie, die sich durch das dichte intrahaufische Gas bewegt, ist die Sternentstehung gehemmt, während im hinteren Bereich komprimiertes Gas noch junge Sterne entstehen lässt. Damit liefert NGC 4330 ein aktuelles Beispiel für die Transformation einer Spiralgalaxie im Haufen hin zu einer gasärmeren, weniger aktiven Galaxie.

Durch ihre kantenstehende Orientierung wirkt sie in Teleskopen wie eine schmale, längliche Spindel mit einem helleren Zentralbereich. Details wie Spiralarme sind kaum zu erkennen, dafür fällt die asymmetrische Struktur durch die Einflüsse des Virgo-Haufens besonders auf.

NGC 4330 gilt daher als Musterobjekt für die Erforschung von Umwelt-Effekten in Galaxienhaufen. Sie zeigt eindrucksvoll, wie das Schicksal einer Galaxie nicht nur durch ihre innere Entwicklung, sondern auch durch äußere Kräfte innerhalb großer Strukturen wie dem Virgo-Haufen bestimmt wird.

NGC 4371

NGC 4371 ist eine balkenförmige Linsen-Galaxie (Typ SB0) im Sternbild Jungfrau (Virgo). Sie befindet sich im Virgo-Galaxienhaufen, einer der größten Ansammlungen von Galaxien in unserer kosmischen Nachbarschaft. Ihre Entfernung beträgt ungefähr 55 Millionen Lichtjahre, und sie besitzt eine scheinbare Helligkeit von etwa 11,0 mag, was sie zu einem vergleichsweise hellen Mitglied des Virgo-Haufens macht. Ihre Winkelausdehnung wird mit etwa 3,5′ × 3,2′ angegeben, womit sie im Teleskop schon als deutliches Objekt erkennbar ist.

NGC 4371 wurde am 15. März 1784 von Wilhelm Herschel entdeckt. Als typische Linsen-Galaxie (Lentikulargalaxie) vereint sie Eigenschaften von elliptischen Galaxien und Spiralgalaxien. Sie zeigt keine ausgeprägten Spiralarme mehr, besitzt jedoch eine deutliche Balkenstruktur im Zentrum, die von einem runden Halo aus älteren Sternen umgeben ist.

Besonders auffällig ist ihre innere Ringstruktur, die sich um den zentralen Balken legt. Diese Ringe entstehen häufig durch dynamische Resonanzen innerhalb der Balkenstrukturen und sind charakteristisch für viele Linsen-Galaxien. Das Vorhandensein dieser Strukturen weist darauf hin, dass NGC 4371 in ihrer Vergangenheit eine Phase intensiver Sternentstehung durchlaufen haben muss, auch wenn sie heute weitgehend aus alten, roten Sternen besteht.

Wie viele Mitglieder des Virgo-Haufens hat NGC 4371 ihre Gasreserven durch Wechselwirkungen mit dem heißen intergalaktischen Medium weitgehend verloren. Dadurch ist die gegenwärtige Sternentstehung fast vollständig erloschen, und die Galaxie erscheint im Vergleich zu gasreichen Spiralgalaxien relativ „ruhig“.

In größeren Amateurteleskopen zeigt sich NGC 4371 als heller, leicht ovaler Nebelfleck mit einem dominanten Zentrum. Feinstrukturen wie der Balken oder die Ringbildung lassen sich jedoch meist nur auf professionellen Aufnahmen erkennen, etwa vom Hubble-Weltraumteleskop oder großen bodengebundenen Observatorien.

NGC 4371 gilt als Beispiel für eine Galaxie, die im dichten Umfeld des Virgo-Haufens durch Umwelteinflüsse transformiert wurde. Ursprünglich könnte sie eine Spiralgalaxie gewesen sein, deren Gas durch den Druck des heißen Haufengases und gravitative Wechselwirkungen entfernt wurde, sodass sie ihre heutige linsenförmige Gestalt angenommen hat.

NGC 4380

NGC 4380 ist eine Spiralgalaxie vom Typ SA(rs)b im Sternbild Jungfrau (Virgo). Sie liegt im Bereich des Virgo-Galaxienhaufens, einer Ansammlung von über 1.000 Galaxien, die sich etwa 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt befindet. Ihre scheinbare Helligkeit liegt bei ungefähr 11,7 mag, sodass sie mit mittleren Amateurteleskopen sichtbar ist. Die Winkelausdehnung beträgt etwa 3,9′ × 2,7′, was sie zu einem relativ großen Objekt am Himmel macht.

Die Galaxie wurde am 17. März 1787 von Wilhelm Herschel entdeckt. In optischen Aufnahmen zeigt NGC 4380 eine wohlgeformte Spiralstruktur, die im Gegensatz zu vielen anderen Mitgliedern des Virgo-Haufens noch erkennbar erhalten ist. Ihre Spiralarme sind locker gewunden und von zahlreichen Sternentstehungsgebieten durchsetzt.

Während viele Galaxien im Virgo-Haufen ihre Gasreserven durch Ram-Pressure-Stripping im heißen intergalaktischen Medium verloren haben, weist NGC 4380 noch eine gewisse Gas- und Staubkomponente auf. Das deutet darauf hin, dass die Galaxie bislang weniger stark von den Umwelteinflüssen des Haufens betroffen war. In den Spiralarmen lassen sich daher jüngere Sterne und Sternentstehungsregionen nachweisen.

Das Zentrum der Galaxie erscheint hell und kompakt, ist aber nicht so dominant wie bei typischen Balken- oder Linsengalaxien. Im Infrarotbereich zeigt sich, dass NGC 4380 noch eine aktive Scheibe besitzt, in der sich neue Sterne bilden. Ihre Morphologie deutet darauf hin, dass sie eine „Übergangsform“ sein könnte: eine Spiralgalaxie, die möglicherweise langfristig durch die Bedingungen im Virgo-Haufen in eine linsenförmige Galaxie umgewandelt wird.

Für Amateurastronomen ist NGC 4380 ein interessantes Beobachtungsobjekt. In Teleskopen ab 20 cm Öffnung kann man einen ovalen, leicht nebligen Fleck erkennen, während die Spiralstruktur selbst meist erst auf langbelichteten Astrofotografien sichtbar wird. Besonders eindrucksvoll erscheint die Galaxie auf Aufnahmen des Sloan Digital Sky Survey (SDSS) und auf tiefergehenden Bildern von Großteleskopen, die ihre Spiralstruktur detailliert darstellen.

Als Teil des Virgo-Haufens steht NGC 4380 auch in gravitativer Wechselwirkung mit anderen Galaxien in der Nähe. Solche Wechselwirkungen können die Spiralarme verzerren oder die Sternentstehung anregen. Bei NGC 4380 scheint dieser Prozess jedoch noch nicht stark fortgeschritten zu sein, was sie zu einem interessanten Vergleichsobjekt innerhalb des Haufens macht.

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