ESA testet das unbemannte Raumfahrzeug Space Rider

Abbildung ähnlich dem Raumfahrzeug Space Rider der ESA.
Das originale Bild mit den Informationen der ESA finden Sie hier.
Die Europäische Weltraumorganisation ESA arbeitet derzeit intensiv an der Entwicklung und Erprobung des unbemannten Raumfahrzeugs Space Rider, das Europas erste wiederverwendbare Raumfähre werden soll. Das Projekt markiert einen Meilenstein in der europäischen Raumfahrtgeschichte, denn es zielt darauf ab, ein autonomes Wiedereintrittssystem zu etablieren, das in der Lage ist, wissenschaftliche Experimente sowie technologische Nutzlasten in den Erdorbit zu bringen und anschließend sicher zur Erde zurückzuführen. Space Rider basiert auf der Technologie des Vorgängerprojekts IXV (Intermediate eXperimental Vehicle), das 2015 erfolgreich einen suborbitalen Testflug mit kontrollierter Rückkehr absolvierte.
Space Rider besteht aus zwei Haupteinheiten: einem Service-Modul, das den Antrieb und die Stromversorgung gewährleistet, sowie einem Wiedereintrittsmodul, das die eigentliche Nutzlast aufnimmt und für die sichere Rückkehr verantwortlich ist. Der Start soll mit der Trägerrakete Vega-C erfolgen, wobei das Raumfahrzeug eine etwa zweimonatige Mission in einer niedrigen Erdumlaufbahn absolvieren kann. Nach Abschluss des Einsatzes kehrt es mittels eines kontrollierten Wiedereintritts zurück, wobei die Landung durch ein innovatives Parafoil-System gebremst und gelenkt wird.
Die Tests des Landungssystems stellen eine zentrale Phase in der Entwicklung von Space Rider dar. In Sardinien führte die ESA umfangreiche Abwurftests durch, bei denen ein maßstabsgetreues Modell des Raumgleiters aus großen Höhen abgesetzt wurde. Diese Tests simulierten nicht nur die Flugdynamik des Wiedereintritts, sondern vor allem die Funktionalität des autonomen Parafoil-Landesystems, das den Gleiter zielgenau zum vorgesehenen Landeplatz steuern soll. Die Ergebnisse dieser Flugkampagnen waren bemerkenswert: Das System konnte innerhalb eines Radius von etwa 150 Metern präzise landen – eine beachtliche Leistung für ein autonomes, wiederverwendbares Raumfahrzeug.
Neben den mechanischen und aerodynamischen Prüfungen finden parallel umfassende Tests der thermischen, akustischen und strukturellen Eigenschaften der Bauteile statt. Ziel ist es, die Zuverlässigkeit für wiederholte Raumflüge sicherzustellen. Das gesamte Design ist darauf ausgelegt, Space Rider nach jeder Mission mit minimalem Wartungsaufwand erneut einsetzen zu können. Die ESA plant, jedes Raumfahrzeugmodul bis zu fünfmal zu verwenden, was die Betriebskosten deutlich senken und die europäische Unabhängigkeit im Raumtransport stärken soll.
Das Einsatzspektrum von Space Rider ist vielfältig. Neben wissenschaftlichen Untersuchungen in der Mikrogravitation, etwa im Bereich der Biotechnologie oder Materialforschung, bietet die Raumfähre auch Möglichkeiten für technologische Experimente, etwa für Satellitenkomponenten oder In-Orbit-Fertigung. Sie richtet sich nicht nur an große Institutionen, sondern auch an kleinere Unternehmen, Universitäten und Start-ups, die Zugang zu orbitalen Forschungsplattformen suchen, ohne auf teure Einweg-Missionen angewiesen zu sein.
Mit dem für Ende 2025 anvisierten Erstflug befindet sich das Programm in einer entscheidenden Phase. Gelingt der Jungfernflug, könnte Space Rider ab 2026/27 in den regulären Dienst überführt werden und einen bedeutenden Beitrag zur Entwicklung nachhaltiger Raumfahrt leisten. Die ESA strebt mit diesem Projekt nicht nur technische Exzellenz an, sondern auch eine neue Ära europäischer Eigenständigkeit im Zugang zum All – mit einem innovativen System, das Rückkehr, Wiederverwendung und Forschung vereint.
Überblick & Zielsetzung
- Space Rider („Space Reusable Integrated Demonstrator for Europe Return“) ist ein [[unbemanntes Raumflugzeug]] im Lifting‑Body-Design, entwickelt von ESA und primär durch das italienische PRIDE‑Programm mitgetragen (Hersteller: Thales Alenia Space & Avio).
- Das Fahrzeug basiert auf dem Wiedereintrittsexperiment IXV und kombiniert einen orbitalen Servicemodul (Vega‑C-Oberstufe mit ALEK‑Erweiterung) mit einem wiederverwendbaren Wiedereintrittsmodul mit Nutzlastbucht.
- Start erfolgt von Französisch-Guayana mit Vega‑C (später Vega‑C+) ab ca. 2025/27 – die erste Flugkampagne ist für das 3. Quartal 2025 vorgesehen .
Technische Daten & Missionsprofil
- Gesamtmasse (Start): ca. 4.900 kg; Nutzlastkapazität: bis zu 600 kg (1.000 l Volumen, ca. 1200 Liter) mit 600 W Stromversorgung, thermischer Kontrolle und Datenhandling.
- Missionen: max. ca. 2 Monate in niedriger Erdumlaufbahn (LEO), optional bis zu 3 Monate, mit wiederholter Nutzung für etwa fünf Auftritte pro Modul nach minimaler Wartung.
- Einsatzbereiche: Forschung in Mikrogravitation (Pharma, Biowissenschaften), Earth‑Observation‑Validierung, in‑orbit Technologie‑Demos, Satelliten‑Inspektionen, Roboter‑Interaktion, experimentelle In‑Space‑Fertigung.
Aktuelle Testphase: Landung & Parafoil-Tests
Drop-Test Kampagne (Sardinien, 2024–2025)
- Im Sommer 2024 begannen erste Abwurftests in Sardinien (Salto di Quirra), mit einem Modell, das Gewicht und Schwerpunkt eines reellen Wiedereintrittsmoduls simulierte (ca. 3 t). Ziel: Qualifikation des Fallschirm‑Systems und des Parafoils.
- Juni/Juli 2025: Fortsetzung mit vollautonomen „closed-loop“-Tests. Abwürfe aus 1–2,5 km Höhe, gestart mit CH‑47 Chinook‑Hubschrauber. Die Modelle steuerten selbstständig via Sensoren, Steuerung und Parafoil ein präzises Touchdown an Zielpunkten an.
Ergebnisse & Leistung
- Landegenauigkeit: innerhalb 150 m vom Zielpunkt – ein Meilenstein für Europa und weltweit erstmalig für präzise Parafoil-Landung in dieser Klasse .
- Dynamik: 12 min Flugzeit, vertikale Geschwindigkeit ≈ 4 m/s; Endlandegeschwindigkeit ≈ 2 m/s. All dies autonom gesteuert unter Windbedingungen bis 12 m/s.
Weiterer Fahrplan
- Noch Ende 2025 sind System-Drop-Tests mit echten Modulen geplant – realistische Landegestell‑Struktur, Niveau‑1‑Mockup, Tests von Stabilität bei rauer Landung (Worst‑Case‑Szenarien) geplant, um Belastungen auf empfindliche Nutzlasten abzuschätzen .
- Parallel dazu läuft die Prüfung des Servicemoduls (ALEK) bei ESTEC (Thermisch, akustisch, vibrationsfest), um den Bau aller Flugkomponenten fertigzustellen.
Bedeutung & Ausblick
- Space Rider plant den Aufbau eines nachhaltigen europäischen Weltraumdienstes: „Return, Reload, Relaunch“ – Wiederverwendbarkeit, kosteneffizienter Zugang, Autonomie vom Wettlauf um Crew-Missionen.
- Landungen sollen idealerweise auf europeischen Zielen wie den Azoren oder Kourou erfolgen – abhängig von Bahnneigung, um Deorbit-Manöver zu minimieren.
- Geplanter Betrieb: mindestens fünf Missionen pro Module, mit Re‑Use-Wartungszyklen von etwa 6 Monaten.
- Ideal zur Verwertung durch Forschungsinstitute, Start-ups und Europäische Mittelstandstechnik für experimentelle und kommerzielle Raumfahrtanwendungen .
Zusammenfassung
Thema | Status & Erkenntnis |
---|---|
Design & Aufbau | Lifting‑Body Raumflugzeug mit Servicemodul auf Vega‑C Basis |
Testphase | In Aussicht stehende System‑Drop-Tests Ende 2025 |
Landesgenauigkeit | Präzise ↑150 m erreicht bei autonomen Drop‑Tests |
Nutzlast | 600 kg, 1200 l Volumen, bis zu 3 Monate LEO-Aufenthalt |
Wiederverwendbarkeit | Bis zu fünf Flüge pro Modul nach kurzer Wartung geplant |
Zukunftsperspektive | Kommerzieller Betrieb ab ca. 2027 mit Vega‑C+ Start |