33 Sonnenmassen: Schwarzes Loch überraschend erdnah

29.Dezember, 2025

In der Milchstraße haben Astronomen ein außergewöhnliches Schwarzes Loch namens Gaia BH3 identifiziert, das mit seiner enormen Masse bisherige wissenschaftliche Annahmen herausfordert. Mit etwa 33 Sonnenmassen handelt es sich um das massereichste stellare Schwarze Loch, das jemals in unserer Galaxie entdeckt wurde. Es befindet sich im Sternbild Adler und ist rund 1900 Lichtjahre von der Erde entfernt, was es zu einem der nächsten Nachbarn unserer Heimatwelt macht. Die Entdeckung gelang durch die präzisen Daten des europäischen Weltraumteleskops Gaia, das die Bewegungen von Milliarden Sternen kartiert. Den Forschern fiel ein alter Begleitstern auf, der eine seltsame, schwankende Bahn beschrieb, als würde er von einem unsichtbaren Partner gezogen. Durch genaue Berechnungen der Umlaufbahn konnte die gewaltige Masse des unsichtbaren Objekts zweifelsfrei bestimmt werden. Gaia BH3 gehört zur Kategorie der stellaren Schwarzen Löcher, die am Ende des Lebenszyklus sehr massereicher Sterne durch eine Supernova entstehen. Bisherige Modelle zur Sternentwicklung gingen davon aus, dass Sterne in unserer Galaxie durch Sternwinde zu viel Masse verlieren, um ein solch schweres Schwarzes Loch zu bilden. Die Existenz von Gaia BH3 legt jedoch nahe, dass sogenannte metallarme Sterne deutlich mehr ihrer ursprünglichen Masse bis zum Kollaps bewahren können.

Der Begleitstern von Gaia BH3 besteht fast ausschließlich aus Wasserstoff und Helium, was die Theorie der metallarmen Vorläufersterne stützt. Solche Objekte wurden bisher vor allem in fernen Galaxien vermutet, doch dieser Fund beweist ihre Präsenz in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft. Trotz seiner beachtlichen Masse stellt das Schwarze Loch keine Gefahr für unser Sonnensystem dar, da die Distanz von fast 2000 Lichtjahren absolut sicher ist. Interessanterweise ist Gaia BH3 deutlich schwerer als das bisherige Rekordobjekt Cygnus X-1, das lediglich auf etwa 21 Sonnenmassen kommt. Die Entdeckung wurde von einem internationalen Team unter Leitung des Observatoire de Paris kurz vor der offiziellen Veröffentlichung des nächsten Gaia-Datensatzes bekannt gegeben. Wissenschaftler nutzen nun erdgebundene Observatorien wie das Very Large Telescope in Chile, um das System noch genauer zu untersuchen. Diese Nachbeobachtungen sollen klären, ob das Schwarze Loch Materie von seinem Begleiter einsaugt oder ob es sich in einer ruhigen Phase befindet. Der Fund liefert entscheidende Hinweise darauf, wie die massereichen Schwarzen Löcher entstanden sind, die Physiker regelmäßig durch Gravitationswellen in fernen Universen messen. Gaia BH3 fungiert somit als lokales Labor, um extreme physikalische Prozesse zu verstehen, die sonst nur in unerreichbarer Ferne stattfinden. Für die Astronomie beginnt damit ein neues Kapitel bei der Erforschung der Überreste gigantischer Sterne in unserer eigenen Galaxie.

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