Tornados in Deutschland – Naturphänomene im Fokus

Tornados in Deutschland sind kein neues Phänomen sondern ein fester Bestandteil des europäischen Wettergeschehens. Pro Jahr werden durchschnittlich zwischen dreißig und sechzig bestätigte Fälle registriert wobei die tatsächliche Anzahl aufgrund einer hohen Dunkelziffer wahrscheinlich höher liegt. Viele dieser Wirbelstürme entstehen über unbewohntem Gebiet oder über dem Meer und bleiben daher ohne menschliche Zeugen. Die meteorologische Forschung unterscheidet dabei klar zwischen schwachen Rüsseln und verheerenden Gewitterstürmen. Ein Tornado ist definiert als eine rotierende Luftsäule die eine Verbindung zwischen einer Wolke und dem Erdboden herstellt. Ohne diesen Bodenkontakt sprechen Experten lediglich von einer Trichterwolke oder einer Funnelcloud. In Deutschland treten diese Phänomene meist in Verbindung mit kräftigen Schauern oder Superzellen auf. Besonders im Sommerhalbjahr von Mai bis September sind die atmosphärischen Bedingungen für die Entstehung günstig. Warme und feuchte Luftmassen am Boden treffen dann auf kühlere Schichten in der Höhe. Zusätzlich ist eine starke Änderung der Windrichtung und Windgeschwindigkeit mit zunehmender Höhe für die Rotation entscheidend. Diese sogenannte Windscherung versetzt die aufsteigende Luft in eine kreisende Bewegung. Die Zerstörungskraft wird weltweit meist mit der Fujita-Skala klassifiziert die von F0 bis F5 reicht. In Deutschland erreichen die meisten Tornados lediglich die Stärke F0 oder F1 was jedoch bereits für Schäden an Dächern und Bäumen ausreicht. Dennoch gab es in der Vergangenheit auch extreme Ereignisse der Stufen F3 bis F5. Der stärkste jemals dokumentierte Tornado traf im Jahr 1764 die mecklenburgische Stadt Woldegk. Er hinterließ eine Spur der totalen Verwüstung und gilt bis heute als ein Jahrhundertereignis. Auch in der jüngeren Geschichte sorgten Stürme wie der Tornado von Pforzheim 1968 für landesweite Schlagzeilen. Damals wurden zwei Menschen getötet und hunderte Gebäude schwer beschädigt. Im Jahr 2015 sorgte ein Tornado in Bützow für Millionenschäden und verdeutlichte das Risiko erneut. Die Zunahme der Meldungen in den letzten Jahrzehnten ist vor allem auf die flächendeckende Verbreitung von Smartphones zurückzuführen. Fast jeder Bürger kann heute zum Augenzeugen werden und Aufnahmen sofort im Internet teilen. Auch das engmaschige Radarnetz des Deutschen Wetterdienstes trägt dazu bei dass mehr Wirbel erkannt werden als früher. Ein direkter statistischer Beweis für eine Zunahme durch den Klimawandel fehlt bisher jedoch noch. Wissenschaftler diskutieren intensiv ob die steigenden Temperaturen die Bedingungen für schwere Unwetter verbessern. Zwar liefert wärmere Luft mehr Energie für Gewitter doch die notwendige Windscherung könnte sich gleichzeitig verändern. Somit ist unklar ob die absolute Zahl der Tornados in Zukunft steigen wird oder nicht. Unabhängig von der Häufigkeit bleibt die Vorhersage solcher kleinräumigen Ereignisse eine enorme Herausforderung. Wettermodelle können zwar das Potenzial für Tornados in einer Region erkennen aber nicht den genauen Ort. Warnungen erfolgen oft erst sehr kurzfristig wenn sich auf dem Radar erste Rotationssignaturen zeigen. Für die Bevölkerung bedeutet dies bei entsprechenden Unwetterwarnungen erhöhte Wachsamkeit. Massive Gebäude aus Stein bieten in der Regel einen guten Schutz vor den herumfliegenden Trümmern. Kellerräume gelten als die sichersten Orte während man die Nähe von Fenstern unbedingt meiden sollte. Autos hingegen sind keine sicheren Unterstände da sie von starken Wirbeln leicht umgeworfen werden können. Im freien Gelände wird empfohlen in eine Senke zu gehen und den Kopf zu schützen. Deutschland bleibt also auch in Zukunft ein Land in dem man mit diesen beeindruckenden wie gefährlichen Naturkräften rechnen muss.
Entgegen der weitläufigen Meinung sind Tornados in Deutschland kein neues Phänomen. Deutschland gehört statistisch gesehen sogar zu den Regionen in Europa mit der höchsten Tornado-Dichte.
Aktuelle Lage 2025
Das Jahr 2025 wird von Experten bisher als ein durchschnittliches Tornadojahr eingestuft.
- Bestätigte Fälle: Bis zum Herbst wurden in Deutschland bereits über 40 Tornados offiziell bestätigt (zusätzlich zu zahlreichen Verdachtsfällen).
- Regionale Schwerpunkte: Besonders aktiv waren 2025 der Norden (mit mindestens 16 bestätigten Fällen) und der Südwesten. Im Juni sorgte ein Tornado der Stärke IF2 (bis zu 220 km/h) in Ulm für erhebliche Zerstörungen.
- Saisonverlauf: Nach einem ruhigen Start im Frühjahr häuften sich die Ereignisse im Mai und Juni sowie im Spätsommer (August/September), was typisch für die deutsche Tornadosaison ist.
Statistische Fakten
- Häufigkeit: Im Schnitt werden in Deutschland pro Jahr 30 bis 60 Tornados registriert.
- Dunkelziffer: Die reale Zahl dürfte höher liegen, da viele Wirbel über unbewohntem Gebiet (Wälder, Felder) unentdeckt bleiben oder nur als „Verdachtsfall“ in die Statistik eingehen.
- Stärke: Die meisten Tornados in Deutschland sind schwach (F0 oder F1 auf der Fujita-Skala). Dennoch können sie punktuell massive Schäden an Gebäuden und Infrastruktur anrichten.
Historische Extremereignisse
Obwohl die meisten Tornados schwach sind, gab es in der Geschichte Deutschlands auch katastrophale Ereignisse:
- Woldegk (1764): Der stärkste dokumentierte Tornado der deutschen Geschichte (Stufe F5). Er legte eine 30 km lange Schneise der Verwüstung zurück.
- Pforzheim (1968): Ein Tornado der Stärke F4 zerstörte über 1.750 Häuser, forderte zwei Todesopfer und verletzte über 200 Menschen.
- Bützow (2015): Ein modernerer Fall (F3), der das Stadtzentrum schwer verwüstete und Schäden in Millionenhöhe verursachte.
Einfluss des Klimawandels
Die Frage, ob Tornados durch den Klimawandel zunehmen, ist komplex:
- Kein eindeutiger Trend: Bisher lässt sich statistisch keine signifikante Zunahme der Tornado-Anzahl in Deutschland belegen. Die steigenden Meldezahlen liegen primär an der besseren Erfassung (Smartphones, soziale Medien, engmaschiges Radar).
- Potenzial für Intensität: Klimaforscher wie Mojib Latif weisen jedoch darauf hin, dass durch die Erwärmung mehr Energie (Feuchtigkeit und Hitze) in der Atmosphäre zur Verfügung steht, was die Wahrscheinlichkeit für schwere Gewitterlagen, die Tornados begünstigen, erhöhen kann.
Wussten Sie schon? Ein Tornado wird in Deutschland oft fälschlicherweise als „Windhose“ verharmlost. Meteorologisch gesehen gibt es keinen Unterschied – beide Begriffe beschreiben denselben gefährlichen Luftwirbel mit Bodenkontakt.
In Deutschland gab es historisch gesehen mehrere extrem starke Tornados, die sogar die höchsten Stufen der Fujita-Skala (F4 und F5) erreichten. Hier ist eine Übersicht der stärksten und folgenreichsten Ereignisse:
Die stärksten Tornados (F5 / IF5)
In der deutschen Geschichte sind bislang nur zwei Fälle bekannt, die als F5 (völlige Zerstörung, Windgeschwindigkeiten über 420 km/h) eingestuft wurden:
- 29. Juni 1764 – Woldegk (Mecklenburg-Vorpommern):
- Dies ist der stärkste jemals in Deutschland dokumentierte Tornado.
- Details: Er zog eine 30 km lange Schneise und erreichte eine Breite von bis zu 900 Metern. Baumstümpfe wurden aus dem Boden gerissen, und sogar Skelette wurden aus Gräbern gehoben. Es gab mindestens ein Todesopfer.
- 23. April 1800 – Hainichen (Sachsen):
- Ebenfalls als F5 eingestuft. Er verursachte massive Zerstörungen in der Region Sachsen, wobei Details aufgrund des Alters der Aufzeichnungen spärlicher sind.
Verheerende Tornados der Stufe F4
Tornados dieser Stärke führen zu Totalschäden an massiven Häusern und können tonnenschwere Gegenstände (wie Mähdrescher oder Autos) weit durch die Luft schleudern.
| Datum | Ort | Folgen / Besonderheiten |
| 10. Juli 1968 | Pforzheim (BW) | Der bekannteste moderne Tornado. 2 Tote, 200 Verletzte, 1.750 beschädigte Häuser. |
| 24. Mai 1979 | Bad Liebenwerda (BB) | Schwere Schäden in Brandenburg; hob tonnenschwere Landmaschinen an. |
| 15. Juli 1936 | Trinwillershagen (MV) | Zerstörte mehrere Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern fast vollständig. |
| 10. Januar 1936 | Düsseldorf (NW) | Ungewöhnlicher Winter-Tornado, der 2 Todesopfer forderte. |
| 1. Juni 1927 | Auen-Holthaus (NI) | Verheerende Schäden im Landkreis Cloppenburg; Kühe wurden durch die Luft gewirbelt. |
| 7. August 1898 | Köln (NW) | Zog eine 38 km lange Schneise durch Köln und das Bergische Land. |
| 15. Juli 1582 | Rockhausen (TH) | Einer der ältesten dokumentierten F4-Fälle; zerstörte die Stadt fast gänzlich. |
Bekannte starke Tornados der Neuzeit (F3)
Auch wenn sie „nur“ Stufe F3 erreichen, sind die Schäden oft katastrophal:
- 5. Mai 2015 – Bützow (MV): Ein F3-Tornado verwüstete das Stadtzentrum. Autos wurden übereinander gestapelt, Dächer von massiven Backsteinhäusern komplett abgetragen.
- 20. Mai 2022 – Paderborn & Lippstadt (NW): Eine Serie von Tornados (bis F3) verursachte Schäden in Millionenhöhe und verletzte dutzende Menschen.
- 27. März 2006 – Hamburg: Ein Tornado (F2-F3) in Hamburg-Harburg warf zwei 50-Tonnen-Kräne um, wobei zwei Menschen ums Leben kamen.
Einordnung
Dass die Zahl der gemeldeten Tornados heute höher wirkt (ca. 30–60 pro Jahr), liegt vor allem an der digitalen Dokumentation durch Smartphones und der besseren Radarüberwachung. Die extrem starken Ereignisse (F4/F5) bleiben zum Glück sehr seltene Ausnahmen.
In Deutschland gibt es ein deutliches Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle bei der Tornado-Häufigkeit. Während die flachen Küstenregionen im Norden statistisch die meisten Ereignisse verzeichnen, treten im Süden oft die heftigeren Tornados in Verbindung mit schweren Gewittern (Superzellen) auf.
Hier ist die Übersicht der bestätigten Tornados nach Bundesland (alphabetisch sortiert). Die Zahlen in Klammern geben die historischen Gesamteinträge (seit 1950) wieder, um die langfristige Gefährdung zu verdeutlichen, ergänzt um aktuelle Beobachtungen aus 2024/2025.
Tornado-Verteilung nach Bundesland
| Bundesland | Historische Häufigkeit (Rang) | Charakteristik & Aktuelles |
| Baden-Württemberg | Mittel (73) | Oft heftige Tornados durch Gebirgsstrom-Effekte. 2025: Starker IF2-Tornado in Ulm (Donaustetten) im Juni. |
| Bayern | Hoch (97) | Häufig Wasserhosen am Bodensee. 2025: Mindestens 4 bestätigte Fälle (u.a. Sonnefeld, Untertheres, Lindau). |
| Berlin | Sehr gering (4) | Aufgrund der kleinen Fläche selten; meist urbane Hitze-Gewitter. |
| Brandenburg | Mittel (57) | Oft langlebige Tornados in den weiten Kiefernwäldern und Agrarflächen. |
| Bremen | Sehr gering (4) | Ähnlich wie Berlin durch die Stadtfläche begrenzt. |
| Hamburg | Gering (7) | Bekannt durch den schweren Tornado 2006 (Harburg). |
| Hessen | Hoch (103) | 2025: Sehr aktiv im Mai/Juni mit mehreren bestätigten Tornados (u.a. Biebertal, Steinau). |
| Mecklenburg-Vorpommern | Sehr hoch (95) | Hohe Dichte an der Küste (Wasserhosen). 2025: 5 bestätigte Fälle bis November (u.a. Glewitz, Greifswald). |
| Niedersachsen | Spitzenreiter (174) | Statistisch die meisten Tornados durch die Nähe zur Nordsee. 2025: 7 bestätigte Fälle (u.a. im Raum Einbeck). |
| Nordrhein-Westfalen | Sehr hoch (125) | Schwerpunkt in der Westfälischen Bucht. 2024: Schwere Serie (u.a. Münster-Handorf). |
| Rheinland-Pfalz | Mittel (41) | Oft in Verbindung mit Kaltfronten, die über die Eifel ziehen. |
| Saarland | Sehr gering (3) | Statistisch das Bundesland mit den wenigsten dokumentierten Fällen. |
| Sachsen | Mittel (51) | 2025: Bestätigter Tornado im Vogtland (Unterheinsdorf) Anfang Mai. |
| Sachsen-Anhalt | Mittel (55) | Häufungen oft in der Leipziger Tieflandsbucht. |
| Schleswig-Holstein | Sehr hoch (121) | Sehr hohe Tornado-Dichte pro Quadratkilometer (viele Wasserhosen an Nord- und Ostsee). |
| Thüringen | Mittel (40) | Oft kleinräumige Wirbel in den Beckenlagen. |
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