Die größten Impakt Krater der Erde – Die Narben des Kosmos auf der Erde

Beispielbild eines Einschlagkraters auf der Erde

Die Erde birgt in ihrer langen geologischen Geschichte die Narben gewaltiger kosmischer Katastrophen, die das Antlitz des Planeten und den Verlauf des Lebens radikal verändert haben. Als der mit Abstand größte und älteste wissenschaftlich bestätigte Einschlagkrater gilt die Vredefort-Struktur in Südafrika. Vor etwa zwei Milliarden Jahren schlug dort ein gewaltiger Himmelskörper ein, dessen Durchmesser auf bis zu 25 Kilometer geschätzt wird. Die gewaltige Wucht dieses Aufpralls erzeugte eine Struktur, die ursprünglich einen Durchmesser von nahezu 300 Kilometern aufwies. Heute ist von der einstigen Kraterform durch die unaufhaltsame Kraft der Erosion kaum noch etwas mit bloßem Auge am Boden zu erkennen. Dennoch ist der sogenannte Vredefort-Dom als zentrale Aufwölbung des Gesteins aus dem Weltraum deutlich als kreisförmiges Muster sichtbar.

Ein weiterer Gigant der Erdgeschichte befindet sich in Kanada und ist als das Sudbury-Becken bekannt. Dieser Krater entstand vor rund 1,85 Milliarden Jahren und besaß nach aktuellen wissenschaftlichen Rekonstruktionen eine ursprüngliche Ausdehnung von etwa 250 Kilometern. Interessanterweise deuten chemische Analysen der Gesteinsproben darauf hin, dass der Verursacher dieser Katastrophe kein klassischer Gesteinsasteroid, sondern ein riesiger Komet gewesen sein könnte. Durch den Einschlag wurden wertvolle Metalle wie Nickel und Kupfer aus tiefen Erdschichten an die Oberfläche befördert, was die Region heute zu einem der wichtigsten Bergbaugebiete der Welt macht.

Der wohl berühmteste Einschlagkrater der Welt ist jedoch der Chicxulub-Krater auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán. Er hat einen Durchmesser von etwa 180 Kilometern und markiert das Ende der Kreidezeit vor rund 66 Millionen Jahren. Dieser Impakt wird für das weltweite Massenaussterben verantwortlich gemacht, dem auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Da die Struktur heute unter dicken Sedimentschichten und zum Teil unter dem Meeresspiegel verborgen liegt, ist sie nur durch geophysikalische Messungen und gezielte Forschungsbohrungen erfassbar.

In den einsamen Weiten Sibiriens liegt zudem der Popigai-Krater, der vor etwa 35 Millionen Jahren entstand und rund 100 Kilometer misst. Eine Besonderheit dieses Fundortes ist das Vorkommen von Milliarden Karat an Industriediamanten, die im Moment des Einschlags durch den extremen Druck aus Graphit entstanden sind. Ähnlich groß ist der Manicouagan-Krater in Kanada, der oft als das Auge von Québec bezeichnet wird. Er ist heute vor allem durch einen ringförmigen See bekannt, der die zentrale Hebung der über 200 Millionen Jahre alten Struktur umschließt.

In jüngerer Zeit konzentriert sich die Forschung auf eine mögliche Entdeckung in Australien, die als Deniliquin-Struktur bezeichnet wird. Geophysikalische Daten deuten darauf hin, dass unter dem Erdboden eine über 500 Kilometer breite Zone liegen könnte, die auf einen noch gewaltigeren Einschlag hindeutet. Sollte sich dies durch zukünftige Bohrungen bestätigen, müsste die Rangliste der größten Krater komplett neu geschrieben werden. Alle diese Orte zeigen eindrucksvoll, dass die Erde kein statisches Gebilde ist, sondern immer wieder Ziel von Objekten aus dem Weltall wurde. Die Untersuchung dieser Krater hilft den Geologen dabei, die frühe Entwicklung der Erdkruste und die Entstehung von Erzlagerstätten besser zu verstehen. Gleichzeitig dienen sie als Mahnmal für die zerstörerische Kraft, die von Himmelskörpern ausgehen kann, wenn ihre Bahn die unsrige kreuzt. Ohne diese massiven Einschläge hätte sich das Leben auf der Erde vermutlich in eine völlig andere Richtung entwickelt.

Wie entstanden diese Krater genau?

Die Entstehung gigantischer Impaktkrater ist ein komplexer physikalischer Prozess, der sich in drei aufeinanderfolgende Phasen unterteilen lässt. Alles beginnt mit der Kontakt- und Kompressionsphase, in der ein riesiger Asteroid mit einer Geschwindigkeit von bis zu 72 Kilometern pro Sekunde auf die Erdkruste trifft. In diesem winzigen Augenblick wird die enorme kinetische Energie des Objekts schlagartig in Wärme und eine gewaltige Schockwelle umgewandelt. Diese Druckwelle rast sowohl in den Untergrund als auch zurück in den Asteroiden selbst, wodurch dieser fast vollständig verdampft. Gleichzeitig wird das getroffene Gestein im Zentrum des Einschlags so stark komprimiert, dass es sich kurzzeitig wie eine Flüssigkeit verhält.

In der anschließenden Exkavationsphase breitet sich die Schockwelle weiter aus und reißt ein riesiges Loch, den sogenannten transienten Krater, in den Boden. Riesige Mengen an geschmolzenem und zertrümmertem Gestein werden dabei als Ejekta-Decke kilometerweit in die Atmosphäre und das Umland geschleudert. Der transiente Krater erreicht innerhalb von Sekunden seine maximale Tiefe, ist jedoch in dieser Form gravitativ völlig instabil. Es folgt die Modifikationsphase, die für die Entstehung der charakteristischen Form großer Krater entscheidend ist. Bei sehr großen Einschlägen wie in Vredefort kann die Kruste dem enormen Gewicht der Kraterwände nicht standhalten, woraufhin diese nach innen rutschen.

Gleichzeitig geschieht im Zentrum etwas Spektakuläres: Der durch den Aufprall tief eingedrückte Kraterboden schnellt durch die Entlastung wie eine elastische Feder nach oben. Dieser Prozess, der als elastische Rückfederung bezeichnet wird, lässt Gesteinsschichten aus der Tiefe des Erdmantels in die Höhe schießen. Es bildet sich ein gewaltiger Zentralberg oder eine zentrale Aufwölbung, ähnlich wie die Fontäne, die entsteht, wenn ein Tropfen ins Wasser fällt. Bei den größten Kratern ist diese Energie so massiv, dass der zentrale Bereich sogar mehrfach kollabieren und ringförmige Gebirgsstrukturen bilden kann. Innerhalb weniger Minuten verfestigt sich das Gestein wieder und die grundlegende Struktur des Kraters ist fertiggestellt. Über die folgenden Jahrmillionen verändern dann nur noch Erosion und geologische Prozesse das äußere Erscheinungsbild dieser kosmischen Narben.

Liste der größten wissenschaftlich bestätigten Impakt Krater der Erde

Die Top 5 der größten Einschlagkrater

PlatzNameOrtDurchmesser (ca.)Alter (ca.)
1.VredefortSüdafrika~300 km2,02 Mrd. Jahre
2.Sudbury-BeckenKanada~250 km1,85 Mrd. Jahre
3.ChicxulubMexiko (Yucatán)~180 km66 Mio. Jahre
4.Kara-KraterRussland~120 km70 Mio. Jahre
5.Popigai / ManicouaganRussland / Kanada~100 km35 / 214 Mio. J.

1. Vredefort-Krater (Südafrika)

Der Vredefort-Krater ist der „König“ unter den Einschlagstrukturen. Mit einem ursprünglichen Durchmesser von etwa 300 Kilometern ist er das größte sicher nachgewiesene Impaktereignis der Erdgeschichte.

  • Die Katastrophe: Vor über 2 Milliarden Jahren raste ein Asteroid (geschätzt 20–25 km groß) mit unvorstellbarer Wucht in die Erdkruste. Der Einschlag war so gewaltig, dass er die Kruste bis in eine Tiefe von 25 Kilometern verformte.
  • Heutiger Zustand: Aufgrund seines extremen Alters ist der eigentliche Kraterrand längst abgetragen. Was man heute sieht, ist der Vredefort-Dom, das Zentrum des Einschlags, das durch das Zurückfedern des Gesteins wie eine erstarrte Fontäne nach oben gedrückt wurde. Er gehört seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe.

2. Sudbury-Becken (Kanada)

Das Sudbury-Becken in Ontario ist nicht nur geologisch bedeutend, sondern auch eine der reichsten Bergbauregionen der Welt.

  • Besonderheit: Forscher vermuten heute, dass der Krater vor 1,85 Milliarden Jahren nicht durch einen Asteroiden, sondern durch einen riesigen Kometen entstand.
  • Wirtschaftlicher Segen: Der Einschlag schmolz riesige Mengen Gestein auf. Schwere Metalle wie Nickel, Kupfer und Platin sanken in der flüssigen Schmelze nach unten und bildeten Konzentrationen, die Sudbury heute zum Weltmarktführer für Nickel machen. Ohne diese kosmische Katastrophe wäre der Reichtum der Region tief im Erdmantel verborgen geblieben.

3. Chicxulub-Krater (Mexiko)

Dieser Krater ist der bekannteste, da er das berühmteste Massenaussterben der Weltgeschichte einleitete.

  • Der Dinokiller: Vor 66 Millionen Jahren schlug ein etwa 10 km großer Asteroid im flachen Meer der heutigen Halbinsel Yucatán ein. Die Folgen waren apokalyptisch: Megatsunamis, weltweite Flächenbrände und eine jahrelange Finsternis durch Ruß und Staub (Impaktwinter), die die Dinosaurier auslöschte.
  • Verborgene Struktur: Der Krater ist an der Oberfläche kaum sichtbar. Er liegt unter Hunderten Metern Sediment begraben. Seine Entdeckung gelang erst durch Schwerkraftmessungen und die Analyse von Gesteinsproben aus Ölbohrungen.

4. Kara-Krater (Russland)

Der Kara-Krater liegt in der russischen Arktis, am nordöstlichen Ende des Ural-Gebirges.

  • Verlorene Größe: Ursprünglich wurde er auf über 120 Kilometer geschätzt, doch neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass er durch Erosion stark verformt wurde. Vor etwa 70 Millionen Jahren schlug dort ein Himmelskörper ein.
  • Geologische Komplexität: Die Struktur ist heute zweigeteilt; man vermutet, dass zwei separate Einschlagzentren existieren könnten, was auf einen Asteroiden hindeutet, der kurz vor dem Aufprall auseinanderbrach.

5. Popigai (Russland) & Manicouagan (Kanada)

Platz 5 teilen sich zwei Krater mit etwa 100 Kilometern Durchmesser, die beide auf ihre Weise einzigartig sind.

  • Popigai (Sibirien): Dieser Krater ist berühmt für seine „Diamanten-Minen“. Durch den extremen Druck beim Einschlag vor 35 Millionen Jahren wurde der im Boden vorhandene Graphit augenblicklich in Diamanten umgewandelt. Es handelt sich um Industriediamanten, die besonders hart sind, da sie die Struktur des ursprünglichen Graphits teilweise bewahrt haben.
  • Manicouagan (Québec): Bekannt als das „Auge von Québec“, ist dieser Krater aus dem Weltraum einer der auffälligsten. Ein ringförmiger See umschließt die zentrale Insel (René-Levasseur-Insel). Entstanden vor ca. 214 Millionen Jahren, ist er ein Paradebeispiel für einen „Ringkrater“, bei dem die zentrale Hebung heute noch deutlich als Bergmassiv (Mount Babel) erkennbar ist.

Während der Vredefort-Krater als der größte bestätigte Krater gilt, gibt es Hinweise auf noch gigantischere Strukturen. Diese sind jedoch schwer nachzuweisen, da sie entweder tief unter dem Eis liegen oder über Milliarden von Jahren durch geologische Prozesse fast völlig zerstört wurden.

Die bedeutendsten Kandidaten für den Titel des „größten Kraters der Erde“

1. MAPCIS (Australien) – ca. 600 km bis 2.000 km

Die Massive Australian Precambrian-Cambrian Impact Structure (MAPCIS) ist derzeit der spektakulärste Kandidat.

  • Lage: Northern Territory, Australien (nahe Uluru).
  • Status: Unbestätigt, aber durch geologische Daten gestützt.
  • Details: Forscher fanden Hinweise auf eine Struktur mit einem Kern von 600 Kilometern Durchmesser. Es gibt sogar Vermutungen über einen äußeren Ring von bis zu 2.000 Kilometern. Sollte sich dies bestätigen, wäre es der größte Impakt in der gesamten Geschichte unseres Planeten und hätte das Leben am Ende des Ediacariums (vor ca. 545 Mio. Jahren) massiv beeinflusst.

2. Deniliquin-Struktur (Australien) – ca. 520 km

Ebenfalls in Australien liegt die Deniliquin-Struktur, die erst in den letzten Jahren Schlagzeilen machte.

  • Lage: New South Wales, Australien.
  • Besonderheit: Sie liegt tief unter Sedimenten vergraben. Geophysikalische Messungen zeigen magnetische Muster und Schwereanomalien, die typisch für eine zentrale Aufwölbung nach einem riesigen Einschlag sind.
  • Größe: Mit 520 Kilometern wäre sie fast doppelt so groß wie der Vredefort-Krater. Ein Nachweis steht noch aus, da dafür teure Tiefbohrungen nötig sind.

3. Wilkesland-Anomalie (Antarktis) – ca. 480 km

Tief unter dem ewigen Eis der Antarktis verbirgt sich eine rätselhafte Struktur.

  • Lage: Wilkesland, Ostantarktis.
  • Theorie: Satellitenmessungen der Schwerkraft (GRACE-Mission) zeigten eine gewaltige Massenkonzentration im Zentrum einer rund 480 Kilometer breiten Senke.
  • Bedeutung: Einige Wissenschaftler vermuten, dass dieser Einschlag vor ca. 250 Millionen Jahren stattfand. Er könnte das größte Massensterben der Erdgeschichte (Perm-Trias-Grenze) ausgelöst und sogar zum Auseinanderbrechen des Superkontinents Gondwana beigetragen haben.

4. Warburton-Becken (Australien) – ca. 400 km

In Südaustralien entdeckten Geologen Spuren eines „Doppel-Einschlags“.

  • Szenario: Ein riesiger Asteroid könnte kurz vor dem Aufprall in zwei etwa gleich große Stücke (je ca. 10–20 km groß) zerbrochen sein.
  • Resultat: Zwei Kraterzonen, die zusammen eine Impaktstruktur von etwa 400 Kilometern Breite bilden. Da die Krater an der Oberfläche völlig erodiert sind, beruht die Theorie auf der Untersuchung von Schockquarzen in tiefen Gesteinsschichten.

Zusammenfassung der potenziellen Riesen

NameOrtVermutete GrößeStatus
MAPCISAustralien600 – 2.000 kmTheorie / in Prüfung
DeniliquinAustralien~520 kmHypothese
WilkeslandAntarktis~480 kmUnbestätigt (unter Eis)
WarburtonAustralien~400 kmStark erodiert

Warum sind diese Krater nicht „bestätigt“? In der Geologie gilt ein Krater erst dann als sicher, wenn physische Beweise vorliegen: Strahlenkegel (Shatter Cones) im Gestein oder mikroskopisch veränderte Minerale (Schockquarze), die nur unter dem extremen Druck eines Einschlags entstehen. Da diese Strukturen oft tief vergraben sind, sind solche Beweise extrem schwer zu beschaffen.

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert