Doppelte Sternen-Explosion in Nachbargalaxie

Astronominnen und Astronomen haben erstmals deutlich sichtbare Spuren einer doppelten Sternenexplosion (Double‑Detonation) in der Großen Magellanschen Wolke festgestellt – eine nahegelegene Zwerggalaxie unserer Milchstraße – und liefern damit erstmals überzeugende visuelle Belege für ein Modell, das bisher nur theoretisch bekannt war. In der Supernova‑Überrest‑Emission SNR 0509‑67.5, rund 160 000 Lichtjahre entfernt, entdeckte man zwei konzentrische Kalzium‑Schalen – eine äußere und eine dichtere innere –, welche auf zwei unmittelbar aufeinanderfolgende Explosionen hindeuten. Diese Schalen wurden mithilfe des MUSE‑Instruments am Very Large Telescope (VLT) der ESO abgebildet, das spektroskopisch sowohl Bild- als auch Chemie-Daten lieferte.

Nach Einschätzung der beteiligten Forschenden kam es zuerst zu einer Zündung in einer auf dem Weißen Zwerg angesammelten Helium‑Schicht, ausgelöst durch Materialzufuhr eines Begleitsterns (vermutlich ein Zweifach-System). Die daraus entstandene Stoßwelle entfachte danach den Kohlenstoff-Sauerstoff-Kern des Weiß‑Zwergs, was zur vollständigen Vernichtung des Sterns durch eine thermonukleare Supernova vom Typ Ia führte – eine Doppel‑Detonation. Die Zeitspanne zwischen den beiden Explosionen betrug nur wenige Sekunden.

Experten bezeichnen dieses Vorgehen als „forensische Astronomie“, da bei der Untersuchung der Überreste Rückschlüsse auf die erst vor Jahrhunderten abgelaufene Ereigniskette gezogen werden können . Solche Ereignisse sind entscheidend, um zu verstehen, wie Elemente wie Kalzium, Schwefel und Eisen entstehen und sich in Galaxien verteilen – Grundbausteine für Planeten, ja sogar Leben.


Warum ist dieser Nachweis besonders bedeutsam?

  • Er bestätigt erstmals praktisch, was lange Zeit nur theoretisch postuliert wurde: dass Weiße Zwerge auch unterhalb der Chandrasekhar-Grenze in zwei Stufen detonieren können.
  • Typ Ia‑Supernovae zählen zu den Standardkerzen in der Kosmologie. Ein tieferes Verständnis ihrer Explosionsmechanismen verbessert unsere Messungen kosmologischer Entfernungen und trägt zum Verständnis der beschleunigten Expansion des Universums bei.
  • Die spektakuläre Bildgebung – mit klar sichtbaren, farblich hervorgehobenen Kalziumschichten – verbindet wissenschaftliche Relevanz mit ästhetischem Eindruck.

Fazit:
Mit SNR 0509‑67.5 wurde eine bisher einmalige fotografische Bestätigung einer Doppel-Detonation-Supernova geliefert. Forscher haben damit einen Grundstein für ein tieferes Verständnis der Entstehung und Verbreitung schwerer Elemente gelegt. Die Entdeckung, detailliert dokumentiert in Nature Astronomy und anhand von MUSE/VLT-Beobachtungen, markiert einen bedeutenden Schritt in der Erforschung thermonuklearer Explosionen von Weißen Zwergen.

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