Supernova-Spuren im ewigen Eis: 80.000 Jahre alter Antarktis-Schnee beweist Flug durch interstellare Wolke
21.Mai, 2026
Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf hat das Rätsel um kosmische Eisenatome im antarktischen Eis gelöst. Wissenschaftler wunderten sich schon seit Jahren über das Auftreten des extrem seltenen, radioaktiven Isotops Eisen-60 im Polarschnee. Da dieses Isotop auf der Erde keine natürlichen Quellen besitzt und nach seiner Entstehung relativ schnell zerfällt, muss es von außen zugetragen worden sein. Frühere Analysen zeigten das Isotop bereits in frischem Schnee, doch erst die Untersuchung von bis zu 80.000 Jahre altem Gletschereis brachte den endgültigen Durchbruch. Das Team analysierte rund 300 Kilogramm altes Eis, das vom Alfred-Wegener-Institut aus dem europäischen Bohrprojekt EPICA bereitgestellt wurde. In einem aufwendigen chemischen Verfahren isolierten die Experten die winzigen Staubmengen aus den geschmolzenen Proben. Mithilfe einer hochsensiblen Beschleuniger-Massenspektrometrie-Anlage in Dresden fahndeten sie anschließend nach den seltenen Atomen. Die Messungen zeigten deutliche zeitliche Schwankungen der Eisen-60-Konzentration im Verlauf der Jahrtausende. Zwischen 40.000 und 80.000 Jahren vor unserer Zeit war deutlich weniger von dem kosmischen Material auf die Erde gelangt als heute. Dieser Befund liefert nun den Beweis dafür, dass die Atome aus der sogenannten Lokalen Interstellaren Wolke stammen. Unser Sonnensystem rast mit rund 90.000 Kilometern pro Stunde durch diese gigantische Region aus verdünntem Gas und Staub. Die Daten spiegeln präzise wider, wie die Erde vor zehntausenden Jahren in Bereiche mit unterschiedlicher Dichte dieser Wolke eingetreten ist. Das Eisen-60 selbst wurde vor Jahrmillionen bei gewaltigen Supernova-Explosionen massereicher Sterne erzeugt und in den interstellaren Raum geschleudert. Die Gas- und Staubwolke fungiert seither als eine Art kosmisches Archiv, das die Trümmer dieser vergangenen Sternexplosionen speichert. Da das Sonnensystem die Wolke in einigen Jahrtausenden wieder verlassen wird, ist der Einstrom des Sternenstaubs ein temporäres Phänomen. Durch die Entdeckung im antarktischen Eis lässt sich die Reise der Erde durch das All nun wie in einem Reisetagebuch nachvollziehen. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ publiziert wurde, eröffnet völlig neue Wege zur Erforschung unserer direkten galaktischen Nachbarschaft. Zudem konnten konkurrierende Theorien, wie ein kontinuierlicher, gleichmäßiger Eintrag durch uralte Supernovae, dank der Eisproben widerlegt werden.
